Lohsepark HafenCity Hamburg

Oktober 2009 bis November 2009


Der Lohsepark wird als größter öffentlicher Park in der Hafencity eine besondere Rolle spielen und Garant für die Schaffung lebenswerter Freiräume sein.

Zwischen Ericusgraben und Baakenhafen schlägt der Park den Bogen zwischen beiden Hafenbecken. Im Umfeld der hochverdichteten Wohn-und Dienstleistungsquartiere, gemischt mit kulturellen und universitären Einrichtungen, muss der Park eine Vielzahl heterogener Anforderungen befriedigen. Zunächst muss er aber als klassischer Quartierspark der angrenzenden Bevölkerung, den Familien und Kindern, als wohnungsnaher Aufenthaltsbereich für Erholung, Spiel und Sport und mit Bewegungsflächen und Sitzbereichen zur Verfügung stehen. Für die angrenzenden Bürostandorte kann der Freiraum ein wichtiger Gegenpol zur Arbeitswelt sein. In den Pausen können die Mitarbeiter durch den Park spazieren, unter freiem Himmel eine andere Luft atmen oder sich im Schatten der Bäume zusammen setzen und die Pausen verbringen. Die angrenzenden Schul- und Universitätsnutzungen werden den Park mit lebendiger Campusatmosphäre erfüllen. Im geplanten Gemeinschafts- und Spielhaus werden Veranstaltungen für die gemeinschaftlichen Aktivitäten der Quartiersbewohner abgehalten. Es ist eine kommunikative und kulturelle Einrichtung, die für die Entwicklung sozialer Strukturen und Beziehungen der Menschen untereinander ein wichtiger Baustein sein wird. Die Fuge des ehemaligen Bahnsteigs 2 des Hannoverschen Bahnhofs bleibt als Erinnerungsfläche für die Deportation von Juden und Sinti und Roma im 2. Weltkrieg bestehen und stellt sich der zukünftigen, neuen städtebaulichen Struktur entgegen. Schon allein dadurch ist sie im Park spürbar und bildet den Widerstand gegen das Vergessen.

Konzeptidee

Für den Lohsepark wird eine Struktur vorgeschlagen, deren Mitte als grüner Freiraum fungiert und deren Ränder sich platzartig zu den Hafenkanten hin entwickeln. Im Kontrast zu den neuen Hochleistungsarchitekturen der umliegenden Neubauten und den expressiven Magellan- und Marco-Polo-Terrassen im Westen soll der Lohsepark extensiver und stimmungsvoller gestaltet werden. In Erinnerung an die seiner Zeit auf dem Gebiet der HafenCity anstehenden tidebeeinflussten Elbauen/Elbmarschen mit ihren Weichholzwäldern und wechselfeuchten Wiesenflächen, den mäandrierenden Kies- und Sandbänken, dem anschwemmenden Treibholz wird eine eigenständige Struktur dem Park sein Aussehen verleihen. Diesem Gestaltungsthema folgen die raumbildenden Vegetationen und Ausstattungselemente im Park und auf den Plätzen. Fiedrige Baumarten wie Weiden (Salix alba), Eschen (Fraxinus excelsior) und Erlen (Alnus incana) bilden das räumliche Gerüst des Parks. Pflanzbänder, die sowohl aus Schilf und Rohrkolben als auch aus Binsen und Gräsern bestehen können, legen sich entlang der offenen Wiesenflächen und generieren kleinere räumliche Situationen. Ein Wegenetz durchzieht den Park und verbindet sowohl die beiden Plätze als auch die angrenzenden Stadträumen miteinander.

Entwurf Lohseplatz

Im Norden des Parks befindet sich am Ericusgraben der neue Lohseplatz. Er schiebt sich mit einem Balkon über die Hafenkante hinaus und wird dadurch sowohl den Wasserbezug deutlich spürbar machen, als auch den Blick auf die großartige Kulisse des alten Zollhauses und den neuen Spiegelbauten eröffnen. Mit Bezug auf die historische Situation wird der ehemalige Bahnhofsvorplatz mit dem bereits vorhandenen Naturstein mit unterschiedlichen Verlegerichtungen hergestellt. Ein Wassertisch erinnert an den damaligen Auenstandort auf dem Grasbrook. Aus dem Park ziehen sich aufgelockerte Baumreihen über den Lohseplatz bis an die Hafenkante. Das neue Gemeinschaftshaus mit integriertem Kiosk steht frei auf dem Platz und wird dem Ort in Zukunft eine starke Identität verleihen. Südlich des Gemeinschaftshauses wird ein Spielbereich für die kleinen Kinder angeboten, der nahe bei dem Gemeinschaftshaus liegt und sich in den Park hineinschiebt. Die Konturen der ehemaligen Grünflächen des Lohseplatzes werden ebenerdig mit Betonelementen nachgezeichnet. Der Lohsespielplatz befindet sich innerhalb dieser Kontur. Dieser Bereich wird weniger aufgeschüttet, so dass der Spielplatz in einer ca. 50cm tiefer liegenden, geschützten Senke liegt. Alte Bestandsbäume bieten Schatten. Das Thema des Lohsespielplatzes entwickelt sich ebenfalls aus dem Motiv der Auen und Marschen. Spielgeräte wie Klettertürme, Schaukeln, Wippen, Parcours, etc. nehmen das Thema Treibholz auf und entwickeln dieses weiter. Kletterfelsen, Wasser-Matsch-Spiele, Sandflächen, etc. beziehen sich auf die Kies- und Sandbänke der Auen und bieten den Kindern die unterschiedlichsten Spielvariationen an. Hängematten, Sonnenliegen und Bänke an den Rändern der Spielflächen laden zum Verweilen und Entspannen ein.

Platz am Baakenhafen

Der südliche Abschluss des Lohseparks wird ebenfalls über einen Platz generiert. Im Kontrast zum Lohseplatz soll er städtischer ausgeprägt sein als sein nördliches Pendant. Großformatige Betonplatten betonen die Großzügigkeit des Platzes. Durch den Anschluss an die U-Bahn und die Nähe zur neuen Universität und die Lage an der großen Allee wird der Platz wesentlich mehr Frequentierung und Öffentlichkeit erfahren. Den südlichen Abschluss bildet der Verknüpfungsbereich zur Promenade. Dieser wird mit einer großen Freitreppe inszeniert, die in Zukunft mit Ihrer Nähe zur Universität ein lebhafter Bestandteil im öffentlichen Bewusstsein der Hafencity sein wird. Große Holzplateaus laden zum Verweilen ein und ermöglichen ebenfalls einen freien Blick auf die Elbe. 100 Fahrradständer stehen in der Nähe der U-Bahnabgänge.

Der Park

Als grüne Intarsie wird der neue Lohsepark in die städtische Dichte seines Umfeldes implantiert und soll der angrenzenden Bevölkerung als Erholungsraum dienen. Der Lohsepark liegt ca. 1,50m tiefer als seine Umgebung. Böschungen überwinden an den Seiten den Höhenunterschied von dem angrenzenden Straßenniveau auf das Parkniveau. Die Eingänge im Westen und Osten des Parks schließen ebenerdig an das umgebende Niveau an. Barrierefreie Rampen führen in den Park. Ein Wegesystem verbindet die angrenzenden Wegebeziehungen des Stadtraumes mit dem Park. Die Wegestrukturen im Park werden aus gefärbtem Asphalt angelegt. In Anlehnung an die Elbauenassoziation ist der Park mit den entsprechenden Gehölz- und Vegetationsstrukturen der Auenlandschaft ausgestattet. Die linearen Baumstrukturen werden durch die Wahl der Baumarten betont. Auf den Plätzen stehen hauptsächlich Purpureschen (Fraxinus angustifolia ‚Raywood‘), die im Herbst in einem leuchtenden Rot erstrahlen und die Plätze betonen. An den Rändern des Parks werden Erlen gepflanzt; Grauerlen (Alnus incana) und Golderlen (Alnus incana ‚Aurea‘), diese bekommt eine prächtige gelbe Herbstfärbung. In der Mitte des Parks befinden sich die größeren Baumarten mit Silberweiden (Salix alba) und Eschen (Fraxinus excelsior). Auf Höhe des Bahnsteigs 2 entsteht eine Lichtung, die einen freien Blick zwischen dem zukünftigen Dokumentationszentrums und dem Bahnsteig 2 ermöglicht. Pflanzbänder ziehen sich durch den Park, legen sich entlang der offenen Wiesenflächen und generieren kleinere räumliche Situationen. Zusätzlich werden die seitlichen Böschungen bepflanzt. Auch Bereiche mit Kiesfeldern und Sandflächen könnten die Aufenthaltsqualität des Parks ergänzen. Spiel und Sport für Kinder und Jugendliche sind zusätzlich zur Fläche nahe dem Gemeinschaftshaus im südlichen Park integriert. Offene Wiesenflächen werden als Spiel- und Bewegungsflächen angeboten. Diese sind vor allem durch aktives, freies, bewegungsintensives Spiel, wie z.B. Ballspiele, geprägt. Klettertürme, Kletterfelsen, etc. befinden sich eher im Randbereich und im Schatten der Bäume. Zusätzlichen befinden sich kleine Spielelemente, z.B. Schaukeltiere oder Karussells sowie Bänke und Hängematten zum Entspannen im Randbereich der aktiven Spielfelder. Das Regenwasser der Plätze und des Parks wird in Rigolen in den Park geleitet, die unter den Rasenflächen liegen.

Beleuchtungskonzept

Der Park erhält ein einheitliches Lichtkonzept. Hauptwege und Querverbindungen im Park werden beleuchtet, so dass auch nachts die Durchquerung möglich ist. Im Park entsteht durch das sanfte Licht eine stimmungsvolle Atmosphäre. Die Plätze werden heller ausgeleuchtet, da sie öffentlicher und repräsentativer sind. Der Lohseplatz wird mit Gruppen von leicht gebogenen Lichtstelen besetzt, die eine Assoziation an Segelbootmasten hervorrufen sollen. Die Leuchten auf dem Platz am Baakenhafen stehen einzeln und erinnern an Segel. Die Straßen entlang des Parks erhalten eine verkehrssichere Ausleuchtung durch Leuchtstelen. Entlang der Überseeallee erhellen große Straßenleuchten die Fahrbahnen.

Bahnsteig2

Als Erinnerung an die Deportationen vom Hannoverschen Bahnhof während der Nazizeit wurde eine Fläche festgeschrieben, die in etwa der Form des ehemaligen Gleises 2 im Hannoverschen Bahnhof entspricht. Auch ihre Höhenlage, die dem heutigen Niveau des Hafens entspricht, wurde fixiert. Der Bahnsteig selbst ist nicht mehr vorhanden. Ein Abdruck oder Relief wird also in Zukunft die Chance geben, sich zu erinnern. Hier sollte jedoch kein Angstraum entstehen, sondern ein Ort, den man gerne betritt und in dem man etwas erfahren kann, etwas finden kann, wenn der Blick sensibel ist und der Geist den Gedanken zulässt.

Concrete Memory

Der grausamste Teil deutscher Geschichte, der Massenmord an den Juden, stellt sich als eine unvorstellbar große Zahl dar. Ein Abstraktum. Mit der Erinnerungsstätte ‚Hannoverscher Bahnhof am Lohsepark‘ gedenken oder mahnen wir nicht der organisierten Vernichtung, nicht der Deportation. Dieser Entwurf widmet sich auch nicht einer anonymen Zahl von Opfern, sondern soll die furchtbare Anzahl von Einzelschicksalen auf berührende Weise erlebbar machen.

Gedenkort im Park

Eine großflächige Gedenktafel trägt die Fußspuren von tausenden Menschen. Tausende gegenwärtige Hamburger Bürger prägen sich stellvertretend für tausende verlorene Menschen in frischen Beton. Der prozeßhafte Teil der Umsetzung, mit Einbeziehung der Gesellschaft, ist wichtiger Bestandteil des Gedenkens. Es entsteht eine Gedenktafel, die die einzelnen Menschen als Persönlichkeiten, als Einzelleben nachvollziehbar und erlebbar macht. Wir, die Nachkommen, erhalten eine Vorstellung von der Einzigartigkeit eines jeden Opfers und der Größe des Verlusts. Es manifestieren sich die Spuren des letzten Aufenthaltes, der letzten Schritte, ¬ gegen das spurlose Verschwinden.

Dokumentationszentrum

Tausende Paar Schuhe auf einer semitransparenten Zwischendecke des Dokumentationszentrums zeichnen sich schemenhaft ab. Hinterleuchtet bilden die dichtgedrängt platzierten Schuhpaare - wie eine Membran zwischen diesseitiger und jenseitiger Sphäre - ein Schattenbild der Abwesenheit. Die Existenz jedes einzelnen Schicksals findet sich im Bild der Schuhpaare oder deren Abdrücken als Vermächtnis gegen die endgültige Vernichtung durch das Vergessen. Das gesamte Areal des Lohseparks ist durch seine Geschichte unwiderruflich geprägt. Durch den Gedenkort soll wiederum das Areal geprägt werden. Für die Erinnerungsstätte sollte ein der Dimension der Tragödie entsprechender Raum eingenommen werden.

Kunde & Architekt

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Team

  • Andreas Horsky